board mit Screenreader und Braillezeile

Kurzreferenz für die tägliche Arbeit. Leitsystem ist NVDA; wo JAWS abweicht, steht es in einer eigenen Spalte oder als Hinweis dabei. Ausführliche Erklärungen stehen in der Benutzungsanleitung.


1. Voraussetzungen

Punkt Empfehlung
Browser mit NVDA Google Chrome. In Microsoft Edge bleiben Formeln stumm – ein bekanntes Problem zwischen Edge und NVDA, das board nicht beheben kann.
Browser mit JAWS Firefox oder Chrome.
Formeln erkunden mit NVDA Für das schrittweise Navigieren in Formeln (Abschnitt 8) wird die NVDA-Erweiterung MathCAT benötigt. Ohne sie werden Formeln zwar vorgelesen, lassen sich aber nicht Ebene für Ebene durchgehen.
Formelsprache NVDA NVDA-Menü → Einstellungen → Mathe → Sprache auf Deutsch stellen, sonst werden Formeln englisch vorgelesen.
Mathe-Braille Ebenfalls unter NVDA-Einstellungen → Mathe wählbar.

2. Lesemodus und Schreibmodus

Fast alle Stolpersteine haben dieselbe Ursache: der falsche Modus. NVDA und JAWS nennen ihre beiden Modi unterschiedlich; diese Referenz nutzt dafür durchgehend die Kurzform Lesemodus und Schreibmodus – die Tabelle zeigt, wie die jeweils dazugehören.

NVDA JAWS
Lesemodus heißt hier Lesemodus Virtueller Cursor
Schreibmodus heißt hier Interaktionsmodus (in älteren NVDA-Versionen: Fokusmodus) Formularmodus
Umschalten NVDA + Leertaste JAWS + Z

Praxisbeispiel – vom Tippen zur Schaltfläche und zurück:

  1. Alt + I springt in die Eingabe. Der Screenreader schaltet automatisch in den Schreibmodus – du tippst direkt los, jeder Tastendruck landet im Text.
  2. Mitten im Schreiben willst du zur Schaltfläche „Formel" unter der Eingabe (Abschnitt 8) wechseln. B bringt dich dort jetzt nicht hin – im Schreibmodus wird B einfach als Buchstabe getippt. Erst NVDA + Leertaste bzw. JAWS + Z wechselt zurück in den Lesemodus; danach findet B die Schaltfläche, Enter aktiviert sie.
  3. Der schnellere Weg für genau diesen Fall: Alt + Umschalt + F (Formel bearbeiten, Abschnitt 5) wirkt in beiden Modi. Mitten im Tippen einfach drücken, ohne vorher umzuschalten.
  4. Zurück in der Eingabe schaltet Alt + I den Screenreader wieder automatisch in den Schreibmodus – auch das läuft ohne manuelles Umschalten.

3. Schnellnavigation im Lesemodus

Ziel NVDA JAWS
Nächste Überschrift H H
Nächster Bereich (Landmark) D R
Nächste Schaltfläche B B
Nächster Link K U (noch nicht besucht) bzw. V (besucht)
Nächstes Eingabefeld (Textfeld) E E
Nächstes Formularfeld (beliebiger Art) F F
Nächste Liste L L
Nächste Tabelle T T
Vorherige Tabelle Umschalt + T Umschalt + T
Elementliste (alles auf einen Blick) NVDA + F7 Einfg + F3

Mit Umschalt davor geht es jeweils rückwärts zum vorherigen Element dieser Art.

Zwei Stellen, an denen sich die beiden Screenreader unterscheiden:

In einer Tabelle Zelle für Zelle navigieren

Bist du mit T in einer Tabelle gelandet, bewegst du dich mit Strg + Alt + Pfeiltasten darin. Beim Wechsel liest der Screenreader normalerweise die zugehörige Zeilen- bzw. Spaltenüberschrift mit vor.

Ziel NVDA JAWS
Eine Zelle nach rechts Strg + Alt + Pfeil rechts Strg + Alt + Pfeil rechts
Eine Zelle nach links Strg + Alt + Pfeil links Strg + Alt + Pfeil links
Eine Zeile nach unten Strg + Alt + Pfeil runter Strg + Alt + Pfeil runter
Eine Zeile nach oben Strg + Alt + Pfeil hoch Strg + Alt + Pfeil hoch
Erste Spalte der Zeile Strg + Alt + Pos1 Strg + Alt + Pos1
Letzte Spalte der Zeile Strg + Alt + Ende Strg + Alt + Ende
Erste Zeile der Spalte Strg + Alt + Bild auf Strg + Alt + Bild auf
Letzte Zeile der Spalte Strg + Alt + Bild ab Strg + Alt + Bild ab

Das funktioniert nur, wenn der Screenreader den Inhalt als echte Tabelle erkennt – die Tabellen in dieser Referenz und in der Benutzungsanleitung erfüllen das.


4. So ist die Seite aufgebaut

Die Sprungmarken sind die ersten Tab-Stopps der Seite – der schnellste Einstieg:

Zur Eingabe · Zur Vorschau · Zur Board-Verbindung · Zum aktuellen Board (Lehrkraft) · Zur Teilnehmerliste (Lehrkraft) · Zur Boardliste · Zur Boardverwaltung

Die wichtigsten Bereiche, alle mit D bzw. R erreichbar:

Bereich Inhalt
Eingabe das Textfeld, in das du schreibst
Eingabe-Vorschau für Screenreader derselbe Text, aber zeilenweise lesbar (siehe Abschnitt 6)
Vorschau das gerenderte Ergebnis mit Überschriften und Formeln
Board-Verbindung Lehrerkürzel, Boardname, Verbinden
Aktuell verbunden Teilnehmerliste, nur für die Lehrkraft

5. board-Tastenkürzel

Kürzel Wirkung
Alt + I in die Eingabe springen (siehe Abschnitt 7)
Alt + O in die Vorschau springen
Alt + Umschalt + B aktuelle Zeile berechnen, Ergebnis wird darunter eingefügt
Strg + Umschalt + B alles neu berechnen (Sicherheitsabfrage: „Abbrechen" / „Neu berechnen")
Alt + Umschalt + H Hilfe anfordern (KI-Tipp)
Alt + Umschalt + W zwischen persönlichem und gemeinsamem Board wechseln
Alt + Umschalt + F Formel bearbeiten öffnen (siehe Abschnitt 8)
Alt + Umschalt + A Ausgabe in eigenem Tab öffnen – reine HTML-Seite mit echten Überschriften und MathML, ideal zum Durchblättern mit Schnellnavigationstasten
Strg + Leertaste (innerhalb einer Formel) Vorschlagsliste für Board-/LaTeX-Schreibweisen öffnen (siehe Abschnitt 8)
Esc offenen Dialog schließen

6. Die Eingabe zeilenweise lesen

Ein Textfeld ist im Lesemodus ein einziger Block – Zeile für Zeile lesen geht dort nicht.

Deshalb gibt es direkt hinter der Eingabe den Bereich „Eingabe-Vorschau für Screenreader". Er ist unsichtbar, aber für Screenreader und Braillezeile voll da: jede Quelltextzeile steht als eigener Absatz.

So kommst du hin: Lesemodus einschalten, dann mit D (JAWS: R) bis zum Bereich „Eingabe-Vorschau für Screenreader" – dort mit den Pfeiltasten Zeile für Zeile lesen.

Zum Schreiben dagegen bleibst du im Textfeld selbst. Dort arbeitest du im Schreibmodus ganz normal mit den Pfeiltasten; die Braillezeile zeigt die aktuelle Zeile an.


7. Von einer Überschrift in der Vorschau zur Stelle im Quelltext

Der wichtigste Handgriff beim Überarbeiten längerer Dokumente:

  1. Alt + O – in die Vorschau springen.
  2. Im Lesemodus mit H zur gewünschten Überschrift.
  3. Enter darauf drücken. Die Überschrift wird damit als Sprungziel gemerkt.
  4. Alt + I – der Cursor steht jetzt in der Eingabe auf genau der Quelltextzeile dieser Überschrift.

Das Sprungziel gilt 15 Sekunden. Danach springt Alt + I wieder nur allgemein in die Eingabe, ohne die Zeile zu wechseln.


8. Formeln lesen

Formeln stehen in der Vorschau als MathML, nicht als Bild. Jede Formel ist anfokussierbar und wird strukturiert vorgelesen – also „Bruch, Zähler a plus b, Nenner c plus d" statt einer Zeichenkette.

Schritt NVDA (mit MathCAT) JAWS
Formel öffnen Enter auf der Formel Enter auf der Formel (öffnet den MathViewer)
gleiche Ebene Pfeil links / rechts Pfeil links / rechts
eine Ebene hinein Pfeil runter Pfeil runter
eine Ebene heraus Pfeil hoch Pfeil hoch
schließen Esc Esc

Braille-Fallback: Liefert die Mathe-Brailleausgabe einmal nicht das, was du brauchst, lies die Formel in der Eingabe – dort steht sie in der linearen board-Schreibweise, also als durchgehender Text, den die Braillezeile ohne Umweg darstellt. Der schnellste Weg dorthin ist Alt + I, zum zeilenweisen Lesen der Bereich aus Abschnitt 6.

In der Lehrer-Ansicht gibt es dafür zusätzlich den ausklappbaren Bereich „Technik: LaTeX und MathML" unten in der Vorschauspalte mit LaTeX- und MathML-Quelltext. In der Schüler-Ansicht ist dieser Bereich ausgeblendet.

Formel bearbeiten: Alt + Umschalt + F (oder die Schaltfläche „Formel" unter der Eingabe) öffnet ein kleines Arbeitsfenster – Formel-Eingabefeld und Live-Vorschau nebeneinander, darunter drei Schaltflächen (Schritt speichern, Übernehmen, Abbrechen). Tab wechselt der Reihe nach durch Eingabefeld, Vorschau und die drei Schaltflächen. Steht der Cursor gerade in einer bestehenden Formel oder in einer Zeile innerhalb eines Rechenblocks, wird deren Inhalt zum Bearbeiten vorausgefüllt. Strg + Enter (bzw. „Übernehmen") übernimmt die Formel an der Cursorposition und schließt das Fenster. Einfaches Enter übernimmt hier bewusst nicht – so bleibt eine fokussierte Formel in der Vorschau weiterhin mit Enter begehbar (siehe Tabelle oben), auch innerhalb dieses Fensters. Esc schließt nur, wenn das Eingabefeld fokussiert ist – auf der Vorschau bleibt Esc bewusst MathCAT überlassen (verlässt dort nur dessen Struktur-Navigation), damit ein Esc-Doppeldruck aus Gewohnheit nicht versehentlich die gerade komponierte Formel verwirft. Zum Schließen von der Vorschau aus erst mit Tab zurück ins Eingabefeld.

Vorschlagsliste: Strg + Leertaste öffnet eine Liste mit passenden Board- und LaTeX-Schreibweisen zum gerade getippten Wortanfang – ausschließlich auf diesen Tastendruck hin, kein automatisches Öffnen beim Tippen (würde den Screenreader sonst ständig unterbrechen). Pfeil hoch/runter bewegt die Auswahl, Enter oder Tab übernimmt den markierten Vorschlag als Board-Syntax, Esc schließt nur die Liste (das Formel-Fenster bleibt offen). Eine Statuszeile sagt an, wie viele Vorschläge gefunden wurden. Dieselbe Vorschlagsliste steht auch in der Haupteingabe zur Verfügung, dort aber nur innerhalb einer bereits bestehenden Formel – außerhalb sagt eine Statuszeile „Vervollständigung nur innerhalb von Formeln verfügbar".

Schrittweise Termumformung: Shift + Strg + Enter (bzw. die Schaltfläche „Schritt speichern") legt den aktuellen Formelinhalt als Zeile in einem zusammenhängenden Rechenblock ab, ohne das Fenster zu schließen. Das Eingabefeld wird dabei nicht geleert – die zuletzt gespeicherte Zeile lässt sich direkt zum nächsten Rechenschritt weiterbearbeiten, statt sie neu zu tippen. Erst der letzte Schritt wird mit Strg + Enter („Übernehmen") abgeschlossen.

Minimalbeispiel – Ableitung von f(x) = (x²+3)/(x+2) per Quotientenregel:

  1. Alt + Umschalt + F, eintippen: f(x) = (x^2+3)/(x+2)
  2. Shift + Strg + Enter (Schritt speichern)
  3. Feld direkt weiterbearbeiten zu: f'(x) = (2x*(x+2) - (x^2+3)*1)/(x+2)^2
  4. Shift + Strg + Enter
  5. Feld weiterbearbeiten zu: f'(x) = (2x^2+4x-x^2-3)/(x+2)^2
  6. Shift + Strg + Enter
  7. Feld weiterbearbeiten zu: f'(x) = (x^2+4x-3)/(x+2)^2
  8. Strg + Enter (Übernehmen) schließt ab.

Im Dokument steht danach ein einzelner zusammenhängender Rechenblock mit allen vier Zeilen hintereinander.

Weitere Kürzel im Formelfenster: Alt + I springt direkt ins Eingabefeld, Alt + O direkt in die Vorschau, Alt + P kopiert den aktuellen Formeltext in die Zwischenablage. Strg + I (bzw. das „×" neben dem Eingabefeld) leert nur das Eingabefeld, ohne das Fenster zu schließen.


9. Meldungen, die von selbst angesagt werden

Was Verhalten
Statuszeile höflich angesagt – Verbindung hergestellt, Export fertig, Zeile berechnet, Anzahl der Formeln
Fehler und Hinweise sofort angesagt, auch mitten im Lesen; die Texte stehen unsichtbar im Dokument und sind nicht nachlesbar – also beim ersten Hören mitnehmen

10. Gemeinsames Board: Schreibrecht

Als Schüler:in: Ohne Schreibrecht ist die Eingabe schreibgeschützt, die Statuszeile sagt dann „schreibgeschützt". Erteilt oder entzieht die Lehrkraft das Recht, setzt board den Fokus im Eingabefeld kurz neu – die Cursorposition bleibt erhalten. Das ist Absicht: nur so bekommen JAWS und NVDA den Wechsel zwischen schreibgeschützt und beschreibbar mit. Hängt der Screenreader trotzdem im falschen Modus, hilft NVDA + Leertaste bzw. JAWS + Z.

Als Lehrkraft:

  1. Sprungmarke „Zur Teilnehmerliste" oder mit D / R zum Bereich „Aktuell verbunden".
  2. Die Liste besteht aus Schaltflächen – mit B oder den Pfeiltasten durchgehen. Zu jedem Namen wird der Status mitgesprochen: „online", „darf schreiben" oder „Sie selbst".
  3. Enter auf einem Namen wählt die Person aus.
  4. Danach folgen die Schaltflächen „Schreiben erlauben" und „Schreiben entziehen". Immer nur eine von beiden ist aktiv – die andere wird als deaktiviert angesagt.
  5. Die Statuszeile bestätigt anschließend die Vergabe oder den Entzug mit Namen.

Mitlesen während die Lehrkraft schreibt: Wer mit Alt + I in der Eingabe steht, während die Lehrkraft (oder ein:e Mitschüler:in mit Schreibrecht) tippt, bekommt die Änderungen laufend, aber lautlos in den Text nachgezogen – gebündelt spätestens nach drei Sekunden. Der eigene Cursor wandert dabei nicht mit, es wird nichts vorgelesen; mit den Pfeiltasten liest man den aktuellen Stand jederzeit selbst.

Die Schaltfläche „Fokus" ist ein Umschalter („Kopplung"). Solange sie aktiv ist (wird als „gedrückt" angesagt, Beschriftung „Kopplung aktiv"), werden alle Verbundenen auf die Zeile der letzten Eingabe gezogen – Cursor und Fokus wandern mit, der Screenreader sagt die neue Zeile an. So bleiben alle an derselben Stelle, während die Lehrkraft dazu spricht. Bei jedem Zeilenwechsel der schreibenden Person zieht die Kopplung nach, innerhalb einer Zeile bleibt es still. Hat ein:e Schüler:in Schreibrecht, folgt die Kopplung deren Zeile.

Die Kopplung endet automatisch, sobald die Eingabe den Fokus verliert, mit Esc oder erneutem Druck auf „Fokus". Danach sind alle wieder frei und navigieren eigenständig; der Text läuft weiterhin lautlos mit.


11. Ausgabe und Export

„Barrierefrei" ist keine Eigenschaft, die ein Format als Ganzes hat – die Ebenen unterscheiden sich. Was die vier Exportwege bei Mathematik tatsächlich leisten:

Ebene HTML Word (.docx) E-Buch (.docx) PDF
Visuell korrekt dargestellt ja ja linear als Quelltext ja
Per Sprache vorlesbar ja, über MathML als linearer Quelltext als linearer Quelltext nur als Textzeile
Strukturell navigierbar (Formel Ebene für Ebene) ja, mit MathCAT nein nein nein
Auf der Braillezeile vollständig ja, über MathCAT als linearer Quelltext als linearer Quelltext nicht zuverlässig
Zusätzliche lineare Fassung eingebettet ja (siehe unten) ist selbst die lineare Fassung ist selbst die lineare Fassung nein

Im HTML-Export trägt jede Formel ihre board-Eingabe zusätzlich mit sich: als Attribut am Formelelement und als zwei Annotationen im MathML (eine board-eigene und eine als reiner Text). Wer das MathML nicht auswerten kann, kommt so trotzdem an die ursprüngliche Schreibweise.

Grenze des PDF-Exports: Das PDF entsteht, indem dasselbe Export-HTML in einem Browser gedruckt wird. Beim Druck bleibt vom MathML nur das gedruckte Schriftbild übrig – die Formelstruktur, die Annotationen und die Sprachauszeichnung gehen verloren, und es entstehen keine PDF-Tags. Was ein Screenreader aus einem solchen PDF vorliest, hängt allein davon ab, welche Textfragmente die Druckausgabe hinterlässt; eine verlässliche Formelnavigation oder mathematische Brailleausgabe ist daraus nicht zu erwarten. Für eine barrierefreie Weitergabe deshalb HTML nehmen, für die Textservice-Weiterverarbeitung E-Buch.

Eingefügte Formeln aus anderen Programmen: board schreibt Formeln in der eigenen linearen Notation (Abschnitt 8). Wer eine Formel aus Word, einem PDF oder einer Webseite einfügt, bringt dabei oft rohe mathematische Unicode-Zeichen mit – das Zeichen für „Element von", „kleiner gleich", ein Pfeil, ein griechischer Buchstabe oder ein kursives mathematisches Alphabet. board übersetzt diese Zeichen beim Rendern automatisch in die eigene Schreibweise: aus dem Zeichen für „kleiner gleich" wird „<=", aus dem Doppelpfeil „<=>", aus einem kursiven mathematischen a ein gewöhnliches a.

Das ist keine Kosmetik. Ein kursives mathematisches Alphabet im Formelcode führt auf der Braillezeile nicht etwa zu einer notdürftigen Ausgabe, sondern zu gar keiner: die Zeile meldet einen Übersetzungsfehler, und die gesamte Formel ist verloren. Nach der Umschreibung erscheint sie dagegen normal.

Zwei Dinge bleiben dabei bewusst erhalten:

Ein Stilunterschied, den board nicht ausdrücken kann, geht bei der Umschreibung verloren: ein fettes A aus einer anderen Anwendung (oft für Vektoren oder Matrizen verwendet) wird zu einem gewöhnlichen A. Für Vektoren gibt es in board die eigene Schreibweise „vec(a)".

Wenn eine Formel trotzdem nicht gerendert wird: Zeichen ohne board-Entsprechung werden nicht stillschweigend verschluckt, sondern sichtbar abgelehnt. An der Stelle der Formel steht dann eine Fehlermeldung, die das beanstandete Zeichen benennt und seine Unicode-Nummer in der Form U+XXXX mitnennt – so lässt es sich auch dann bestimmen, wenn Schrift oder Braillezeile es nicht darstellen können.


12. Sonderzeichen und Braillezeile

Nicht jedes Unicode-Sonderzeichen (Pfeile, geometrische Symbole, griechische Buchstaben mitten im Fließtext) wird auf einer Braillezeile zuverlässig dargestellt. Ob und wie ein Zeichen erscheint, hängt vom Screenreader und der eingestellten Brailleübersetzung ab – 6-Punkt- und 8-Punkt-Braille unterscheiden sich dabei zum Teil deutlich. Ein nicht abgedecktes Zeichen zeigt manche Braillezeilen dann nur als unlesbare Ersatzdarstellung an (z. B. eine Zahlenfolge statt des Zeichens).

Deshalb gilt: Bedeutungstragende Information sollte nie ausschließlich über ein ungewöhnliches grafisches Sonderzeichen vermittelt werden. Bei nichtmathematischen Pfeilen, Aufzählungszeichen und ähnlichen Symbolen im Fließtext ist im Zweifel Klartext bzw. echte Dokumentstruktur (Liste, Überschrift) vorzuziehen – so verarbeitet auch der Dokumentkonverter eingescannte Vorlagen. Echte mathematische und fachsprachliche Symbole sind davon ausgenommen: Sie brauchen eine fachgerechte barrierefreie Notation (Abschnitt 8) und werden weder pauschal ausgeschrieben noch entfernt.


13. NVDA-Braillecode an board-Syntax anpassen (optional)

Standardmäßig zeigt die Braillezeile Formeln in einem eigenen Braille-Code (Nemeth, UEB, …), der von der board-Eingabe abweicht – zwei Schreibweisen für dieselbe Formel sind unpraktisch.

Schritt 1 – besten eingebauten Code wählen: NVDA-Menü → Einstellungen → MathCAT-Einstellungen → Braille → Ausgabe-Code auf ASCIIMath stellen. board-Eingabesyntax ist selbst AsciiMath-artig (sqrt(x), sin(x), x^2, …), daher liegt dieser Code am nächsten an dem, was du tatsächlich eintippst.

Schritt 2 – noch näher heranrücken (optional): Ein angepasstes Regel-Paket lässt die verbleibenden Unterschiede verschwinden – u. a. binom(n;k) statt einem irreführenden Bruch, vec(1;2;3) und mat((a;b)(c;d)) statt Klammerlisten, floor(x)/ceil(x)/bar(AB) statt Zeichen-Kombinationen, powset(P), "and"/"or" statt Symbolen.

Herunterladen: nvda-board-braille.zip

Installation (Administratorrechte nötig, betrifft nur den ASCIIMath-Code von NVDA/MathCAT auf diesem PC):

  1. NVDA beenden.
  2. Installationsordner ermitteln, falls unklar: Task-Manager öffnen (Strg + Umschalt + Esc) → Reiter „Details" → nvda.exe rechtsklicken → „Dateipfad öffnen". Der sich öffnende Ordner ist dein Installationsordner – bei einer normalen (nicht portablen) Installation meist C:\Program Files\NVDA, kann aber abweichen (portable Installation, abweichender Installationsort, 32-/64-Bit).
  3. Die drei Dateien aus dem Zip nach <Installationsordner>\include\nvda-mathcat\assets\Rules\Braille\ASCIIMath\ kopieren (vorhandene Dateien überschreiben; vorher eine Kopie der Originale sichern, falls du zurück willst).
  4. NVDA neu starten.

Ein eigener, separat wählbarer Braille-Code namens "board" ist technisch nicht möglich – die verfügbaren Codes sind fest in NVDAs MathCAT-Software einprogrammiert. Das Paket überschreibt daher den vorhandenen Code "ASCIIMath" direkt; die Beschriftung im Menü bleibt "ASCIIMath", der Inhalt wird aber an board angeglichen.

Bekannte Restabweichungen: angle(BAC) zeigt noch das Winkel-Symbol statt den Funktionsnamen; set(...) trennt Elemente noch mit Komma statt Semikolon; bei der erweiterten Matrix erscheint der Trennstrich als Semikolon statt "::".


14. Stolpersteine auf einen Blick

Symptom Ursache und Abhilfe
Formeln werden gar nicht vorgelesen Microsoft Edge mit NVDA → Chrome verwenden
Formeln klingen englisch NVDA-Einstellungen → Mathe → Sprache auf Deutsch
H, B, D bewirken nichts Du bist im Schreibmodus → NVDA + Leertaste bzw. JAWS + Z
Eingabe lässt sich nicht Zeile für Zeile lesen Bereich „Eingabe-Vorschau für Screenreader" nutzen (Abschnitt 6)
Alt + I springt nicht zur Überschrift Die 15 Sekunden sind abgelaufen, oder es wurde kein Enter auf der Überschrift gedrückt
Eingabe nimmt keine Zeichen an Schreibrecht fehlt – die Statuszeile sagt „schreibgeschützt"
Menüpunkt Syntax, Markdown oder Qalculate lädt nicht Diese drei laden ihren Text in die Eingabe und verlangen deshalb, dass die Eingabe leer ist
Braillezeile zeigt eine andere Schreibweise als die Eingabe Braille-Ausgabe-Code in NVDA/MathCAT auf ASCIIMath stellen, siehe Abschnitt 13

15. Anhang: Vollständige Übersicht der NVDA-Mathematik-Einstellungen

Erreichbar über NVDA-Menü → Einstellungen → Einstellungen… → Kategorie „Mathematik". Die Abschnitte 1 und 13 dieser Referenz greifen nur die für board wichtigsten Punkte heraus (Sprache, Braille-Ausgabecode) – hier die vollständige Übersicht aller dort verfügbaren Einstellungen.

Bereich Einstellung Kurzerklärung
Sprache Beeinträchtigung Blindheit, Sehbehinderung oder Lernbehinderung – wie stark mehrdeutige Notationen aufgelöst werden
Sprache Sprache Sprachcode für die Sprechregeln (z. B. de, en)
Sprache Sprechstil ClearSpeak oder SimpleSpeak
Sprache Sprachausführlichkeit Knapp / Medium / Ausführlich – wie viele Zusatzwörter gesprochen werden
Sprache Relative Sprechgeschwindigkeit 1–100 %, Geschwindigkeit relativ zur normalen Textgeschwindigkeit
Sprache Pausenfaktor 0–100, Länge der Sprechpausen in Formeln
Sprache Signalton am Anfang/Ende von Mathematik Piepton beim Betreten/Verlassen eines Mathe-Ausdrucks
Sprache Chemische Formeln Buchstabiert, als Verbindungsname oder unverändert vorgelesen
Sprache Beim Betreten einer Gleichung Was beim Wechsel in eine Formel vorgelesen wird
Navigation Format beim Kopieren MathML, LaTeX, ASCIIMath oder Sprache – Format beim Kopieren des aktuellen Knotens
Navigation Standard-Navigationsmodus Enhanced, Simple oder Character
Navigation Reset bei neuer Gleichung Navigationsmodus bei jeder neuen Formel zurücksetzen (an/aus)
Navigation Auto-Zoom aus 2D-Notation Automatisches Verlassen von Brüchen/Exponenten am Rand
Navigation Navigationsausführlichkeit Knapp / Medium / Ausführlich – wie viel bei Navigationsbefehlen gesagt wird
Braille Ausgabecode Braille-Mathe-Code, z. B. Nemeth, UEB, Vietnam
Braille Fokus mit Punkten 7/8 hervorheben Markiert den fokussierten Navigationsknoten in Braille
Anwendungen Native Mathe-Unterstützung in Word/Outlook Nutzt Words eigene Math-Zugänglichkeit statt MathCAT

16. Windows-Zwischenablageverlauf (mehrere kopierte Inhalte)

Eine allgemeine Windows-11-Funktion, keine board-Eigenheit – praktisch, sobald mehrere zuletzt kopierte Inhalte gebraucht werden statt nur des letzten, etwa um sie nacheinander an verschiedenen Stellen wieder einzufügen.

Schritt Tastenkombination
Verlauf einmalig aktivieren (falls noch aus) Windows-Einstellungen → System → Zwischenablage → „Zwischenablageverlauf"
Mehrere Inhalte sammeln nacheinander Strg + C
Verlauf öffnen Windows + V
Zwischen Einträgen wechseln Pfeil hoch / runter, teils auch Tab / Umschalt + Tab
Markierten Eintrag einfügen Enter – landet an der aktuellen Cursorposition
Verlauf schließen, ohne einzufügen Esc

NVDA sagt beim Öffnen mit Windows + V den aktuellen Eintrag an. Bleibt die Ansage der einzelnen Einträge schlecht oder ganz aus, frag gezielt nach einer NVDA-optimierten Alternative – etwa einem Add-on oder einem kleinen Skript zum direkten Umschalten zwischen den letzten kopierten Texten.